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(v.l.) Dr. Christian Juranek (Stellv.), Generaloberin Pia Regina (Barmherzige Schwestern Innsbruck), Dr. Christoph Wötzer (Dachverbandsleiter), Sigrid Larcher (Kleinschuldnerberatung), präsentierten am vergangenen Freitag den Jahresbericht 2007 im Rahmen eines Runden Tisches im Heim St. Vinzenz/Barmherzige Schwestern.
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audio-podcast (38 MB)

Audio Mitschnitt des Runden Tisches am 25. April 2008, anlässlich der Präsentation des Jahresberichtes 2007 der Vinzenzgemeinschaft.
Format: .mp3
Dauer: 31 min.
Urheber: pro.media

Statement 1 (3MB)
Dr. Christoph Wötzer (Dachverbandsleiter Vinzenzgemeinschaften)

Statement 2 (3MB)
Dr. Christoph Wötzer (Dachverbandsleiter Vinzenzgemeinschaften)

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Jährlich schütten die Tiroler Vinzenzgemeinschaften rund 450.000,- Euro an finanzieller Hilfe aus, die sich zu 95% aus privaten Spenden und 5% Sponsorengeldern zusammensetzen. Der Anteil der Menschen, die in Tirol akut in Not geraten, steigt dabei Jahr für Jahr an. Als „neue Not“ bezeichnet Christoph Wötzer, Präsident der Vinzenzgemeinschaften in Tirol, zudem die steigende Einsamkeit, unter der immer mehr Mitbürger aus allen sozialen Schichten leiden.
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Presseinformation

Politik, Wirtschaft, Gesellschaft
29.04.2008 | Vinzenzgemeinschaft, Tirol


Menschen in Not: Die Vinzenzgemeinschaften von Tirol präsentieren den Jahresbericht 2007
Jährlich schütten die Tiroler Vinzenzgemeinschaften rund 450.000,- Euro an finanzieller Hilfe aus, die sich zu 95% aus privaten Spenden und 5% Sponsorengeldern zusammensetzen.

Der Anteil der Menschen, die in Tirol akut in Not geraten, steigt dabei Jahr für Jahr an. Als „neue Not“ bezeichnet Christoph Wötzer, Präsident der Vinzenzgemeinschaften in Tirol, zudem die steigende Einsamkeit, unter der immer mehr Mitbürger aus allen sozialen Schichten leiden.

In Tirol gibt es 54 Vinzenzgemeinschaften mit rund 600 Mitgliedern - in Summe stellen die Vinzenzgemeinschaften die größte ehrenamtliche Laienorganisation der Welt, mit rund 1 Million Mitgliedern, dar.

Die Zahl der Hilfesuchenden nimmt auch in Tirol zu

In den letzten Jahren war, laut Wötzer, eine Steigerung von Hilfesuchenden um ca. 10% jährlich feststellbar. Betroffen davon seien vorrangig Großfamilien und Alleinerziehende. Grund dafür sieht Wötzer insbesondere bei den gestiegenen Mieten und Betriebskosten in den Ballungsräumen und der rasanten Inflationsentwicklung sowie den explodierenden Kosten für Heizöl- und Kraftstoffpreise. Teilweise müssten die Betroffenen bis zu sieben Jahre in den Gemeinden wohnen, um eine Mietzinsbeihilfe zu erhalten. Folgerichtig sei auch der Finanzbedarf für die Akuthilfe in den letzten Jahren gestiegen. Die deutliche Erhöhung der Mietzinsbeihilfe durch das Land Tirol ab 1.1.2008 sieht Wötzer als wichtigen Schritt zur Begegnung dieser Entwicklung. Geholfen wird vorrangig mit Lebensmittelgutscheinen und Beiträge zu Miet- und Betriebskosten u.a. um Delogierungen oder Stromabschaltungen zu verhindern. Wötzer stellt in diesem Zusammenhang klar: „Es gibt keine Hilfe ohne Hausbesuche. Jeder Hilfesuchende wird von uns persönlich aufgesucht, um die Not vor Ort abzuklären. Damit haben wir die Garantie, dass die akute Finanzhilfe wirklich dorthin kommt, wo das Geld unbedingt gebraucht wird!“ Auffallend ist laut Wötzer, dass nur rund die Hälfte der Anspruchsberechtigten Sozialhilfe bzw. Grundsicherung beantragen. Viele Menschen würden sich in Tirol schämen, als „Sozialschmarotzer“ abgestempelt zu werden. Wötzer: „Menschen in Not wechseln oft in Ballungszentren und damit in die Anonymität. Die ‚stille Not’ der Menschen wird zunehmend ein großes gesellschaftspolitisches Problem.“

Österreichweites Pilotprojekt: Einsamenbegleitung

Als „Neue Not“ unserer Gesellschaft bezeichnet Wötzer die zunehmende Vereinsamung der Menschen, die insbesondere bei älteren Menschen und in Ballungszentren deutlich zunehme. Gründe dafür seien die rasant wachsenden Singlehaushalte, daraus resultierend fehlende familiäre Netze, der Tod von Freunden und Bekannten und die Scham, die Einsamkeit nach außen hin sichtbar werden zu lassen. Wötzer: „Von der Einsamkeit sind alle Bildungsschichten sowie reiche und arme Menschen betroffen. Wir haben dazu mit dem neuen Besuchsdienst im Senioren- und Pflegeheim St. Josef ein in Österreich bisher einzigartiges Pilotprojekt gestartet.“ 18 Mitarbeiter betreuen im Zuge dieser organisierten ehrenamtlichen Einsamenbegleitung 27 Heimbewohner.

Vinzenzgemeinschaften als Kleinschuldnerberatung

Auffallend ist bei den Tiroler Vinzenzgemeinschaften auch, dass immer mehr Menschen in die „Schuldenfalle“ geraten. Gründe dafür sind u.a. die Möglichkeiten, bei Versandhäusern auf Kreditbasis einzukaufen, Kontoüberziehungen und insbesondere ein Phänomen, das überwiegend Frauen betrifft: das Eingehen von Bürgschaften, die dann nach Trennung vom Partner fällig werden. In diesem Zusammenhang haben die Vinzenzgemeinschaften 2007 die Kleinschuldnerberatung ausgebaut, in deren Rahmen Schuldenregulierungsverfahren durchgeführt werden und den Betroffenen bei ihrer individuellen Wirtschaftsführung kompetent geholfen wird. Für die notwendigen Beratungsgespräche stellen die Barmherzigen Schwester in Innsbruck einen Besprechungsraum zur Verfügung Tirolweit leisten 27 ehrenamtliche Mitglieder diese Arbeit, im vergangenen Jahr wurden die Außenstellen in Telfs und Breitenwang aufgebaut. Bewährt habe sich in diesem Zusammenhang auch die Nachbegleitung durch die für die Betroffenen zuständigen Vinzenzgemeinschaften.

Vinzibus versorgt Obdachlose mit 12.000 Portionen

Erfolgreich wurde im vergangenen Jahr auch der Vinzibus betrieben, in Summe wechseln sich dabei rund 140 Fahrer im Fahrdienst ab. Er versorgt in Innsbruck täglich Obdachlose am Innsbrucker Marktplatz und im Kapuzinerkloster mit warmen Essen und Getränken. Im Jahr 2007 wurden über 12.000 Portionen ausgegeben. Das Essen wird zwischen Dienstag und Sonntag ausgegeben, jeden Montag werden Brote und Tee von den Barmherzigen Schwestern zur Verfügung gestellt. Neu ist, dass die Kapuziner den Obdachlosen ihre Räumlichkeiten zur Ausspeisung zur Verfügung stellen.

Vinzenzgemeinschaften sollen in jeder Tiroler Gemeinde entstehen

Angesichts der steigenden Not hat Wötzer viele Wünsche für die Zukunft, um in den kommenden Jahren noch effizienter helfen zu können: „Es wäre schön, wenn in der Gesellschaft mehr Verantwortungsbewusstsein für die Nöte der Mitmenschen bestehen würde, frei nach dem Gedanken ‚Einer trage des anderen Last’. Zudem wünschen wir uns, dass in jedem Stadtteil in Innsbruck und in jeder Gemeinde eine Vinzenzgemeinschaft besteht und mehr Firmen wie z.B. HYPO Tirol Bank oder Swarovski, die Hauptsponsoren der Vinzenzgemeinschaften, ihren Schwerpunkt auf „Sozialsponsoring“ legen.“

Die Hauptaktivitäten der Tiroler Vinzenzgemeinschaften auf einen Blick:

- Einsamenbegleitung: Die Vinzenzgemeinschaften organisieren regelmäßige Besuchsdienste bei Alten und Kranken. Hier bringen sich die Vinzentiner persönlich ein oder organisieren Besuchs- und Begleitdienste. Im Alten- und Pflegeheim Haus St. Josef am Inn wurde - Österreichweit einzigartig - eine eigene Vinzenzgemeinschaft zur Linderung der Einsamkeit der Heimbewohner gegründet.

- Unterstützungen zum Leben: Hier werden die Spendenmittel verteilt, wobei nach dem Grundsatz „keine Hilfe ohne Hausbesuch“ jeder Hilfesuchende persönlich aufgesucht wird, um die Not vor Ort abzuklären.

- Focus Jugendarbeit: Eine Studie zeigt, dass 80% der Menschen, die bereits in jungen Jahren Sozialdienste leisteten, spätestens in der Pension wieder Sozialdienste leisten. Die Jugendarbeit nimmt daher in den letzten Jahren einen besonderen Stellenwert ein.

Projekte wie der VINZIBUS oder die Kleinschuldnerberatung wurden darüber hinaus ins Leben gerufen, weil es am Abend für Obdachlose keine kostenlosen warmen Mahlzeiten gegeben hat bzw. Menschen in der Schuldenfalle nicht ausreichende Hilfe haben.

Bewährt hat sich auch die Zusammenarbeit mit anderen sozialen Einrichtungen, besonders mit der CARITAS und den Barmherzigen Schwestern (sie stellen am Montag für den VINZIBUS Brote und Tee, im Winter eine Notschlafstelle für bis zu 17 Obdachlose und für die Kleinschuldnerberatung einen Besprechungsraum zur Verfügung).

Rückfrage-Hinweis:

Vinzenzgemeinschaften Tirol
Dr. Christoph Wötzer
Lohbachsiedlung B23b
6020 Innsbruck

Tel. +43.650.2873170
christoph.woetzer@chello.at
http://www.vinzenzgemeinschaften-tirol.at/

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