Vinzenzgemeinschaften Tirol feiern Vorreiterprojekt, drei Neugründungen und drei Jubiläen

Bei einer Pressekonferenz im Haus St. Josef durften wir mit Freude eine Reihe von Neuigkeiten präsentieren.

So hat sich besonders die Beschäftigungsinitiative „VINZIHand“ zu einem Vorreiterprojekt entwickelt: „VINZIHand“ ermöglicht Asylwerbern und Beschäftigungssuchenden sich im Dienste der Bevölkerung aktiv einzubringen. Seit Herbst 2013 kamen rund 30.000 Arbeits-Stunden zusammen, im Asylbereich sind derzeit rund 80 Asylwerber im Projekt involviert. Im Rahmen von „VINZIHand“ können Menschen, die zuhause Hilfe brauchen, Unterstützung bekommen. Die HelferInnen sind dabei mit Haftplicht- Unfall- und Rechtsschutzversicherung umfangreich abgesichert.
Die positiven Erfahrungen mit VINZIHand in Tirol waren auch Einfluss gebend zur Einführung des Dienstleistungsscheckes durch den Bund, mit dem Asylwerber seit wenigen Monaten österreichweit eine gesetzlich verankerte Moeglichkeit haben, mit Diensten im Haushalt gegen Bezahlung tätig zu sein.

Die Notwendigkeit der Vinzenzgemeinschaften wird aktuell auch durch verschiedene Neugründungen einmal mehr unterstrichen – in Polling, Ehrwald und Patsch freut man sich auf insgesamt drei neue Vinzenzgemeinschaften. Gerade für kleine Orte mit rund 2000 Einwohnern sind Vinzenzgemeinschaften als Nahraumversorgungskonzept eine ideale Ergänzung. Unter dem Dach der Vinzenzgemeinschaften ist eine umfassende Absicherung in Form von Haftpflicht, Rechtschutz und Unfallversicherung sowie einer Veranstaltungshaftpflicht (Seniorennachmittage, Pfarrkaffees) gewährleistet und die Dienste können besser koordiniert und wirksamer umgesetzt werden

Grund zur Freude bereiten heuer auch drei Jubiläen: In diesem Jahr begehen wir 400 Jahre Vinzentinische Idee, 170 Jahre Vinzenzgemeinschaften Österreich und Tirol sowie 5 Jahre VINZIHerberge – Waldhüttl.

45 Jahre Frauen bei den Vinzenzgemeinschaften Tirol
Neben den drei Jubiläen freut man sich auch ganz besonders darüber, dass seit nun 45 Jahren Frauen in der Vinzenzgemeinschaft tätig sind. „Dieser Schritt ist natürlich von großer Bedeutung. Mehr als die Hälfte der VinzentinerInnen sind Frauen“ erklärt Senn. Oskar Wötzer öffnete als damaliger Präsident die Vinzenzgemeinschaften für Frauen, inzwischen sind 43 Gemeinschaften in Frauen-  und 32 in Männerhand. 

400 Jahre Vinzentinisches Charisma:
Die Grundidee wurzelt in der organisierten Hilfe für Notleidende, umgesetzt durch Vinzenz von Paul, Priester in Frankreich im 16. Jahrhundert. Anfang des 19. Jahrhunderts hat der französische Gelehrte und Gründungsvater Frederic Ozanam Studenten um sich geschart, um der damaligen Not zu begegnen. Nach seinem Vorbild Vinzenz von Paul nannte er sie „Vinzentiner“ – daraus entstanden die Vinzenzgemeinschaften. Vinzenz von Paul ist also Vater des Geistes der Vinzenzgemeinschaften und Namenspatron. 

170 Jahre Vinzenzgemeinschaften Österreich und Tirol:
Die älteste Vinzenzgemeinschaft Österreichs wurde in St. Jakob in Innsbruck im Jahre 1847 gegründet. Die Gründungsväter waren Professor Michael Heidegger und der Serviten Pater Magnus Bertsager.

5 Jahre Vinziherberge – Waldhüttl:
Das multikulturelle Projekt Waldhüttl ist eine Erweiterung der Individualbetreuung. Die Vinzenzgemeinschaften suchten damals für 12  bis 15 Roma, die als 20er Verkäufer fungierten und Sommer und Winter im Auto geschlafen und gelebt haben, eine Herberge. Über persönliche Kontakte organisierte Jussuf Windischer, derzeit Obmann, das Gebäude, das dem Stift Wilten gehört. Ursprünglich gab es ein Haupthaus, das gemeinsam mit dem Stift Wilten generalsaniert und wieder bewohnbar gemacht wurde. Die Sanierungszeit dauerte einige Monate. In der Folge kam auch das Gesindehaus dazu, das ebenfalls saniert und renoviert wurde.  Ein wenig später stellte das Stift Wilten ein 7.000 Quadratmeter großes Grundstück für den Gartenbau und eine Kleintierzucht für die Selbstversorgung kostenlos zur Verfügung. Hinzu kam noch ein Tipi für Veranstaltungen.

(v.l.:): Christoph Wötzer (Präsident der Tiroler Vinzenzgemeinschaften), Karoline Senn (Amtsführende Vizepräsidentin) und Dietmar Günther (Obmann VINZIHand)


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